Deutscher Gewerkschaftsbund

Solidarität kennt keine Grenzen:

INFORMATIONEN UND ARGUMENTE GEGEN VORURTEILE UND DUMPFE PAROLEN

Vielfalt, Solidarität, Gerechtigkeit

Solidarität kennt keine Grenzen:

INFORMATIONEN UND ARGUMENTE GEGEN VORURTEILE UND DUMPFE PAROLEN

Rassismus findet sich offen und versteckt in Talkshows, Nachrichten oder in der Zeitung, wenn über Menschengruppen herablassend gesprochen und geschrieben wird; bei der Wohnungs- und Arbeitsplatzsuche, in Kinderbüchern, auf dem Schulhof oder auf Facebook. Rassismus hat schlimmstenfalls tödliche Folgen - das hat unter anderem der Mord an 10 Menschen durch den NSU gezeigt.

Weltweit befinden sich Millionen Menschen auf der Flucht. Sie verlassen ihre Heimat, weil dort Unruhen oder Kriege herrschen und sie Angst haben, verletzt oder getötet zu werden. Andere Menschen werden zu Flüchtlingen bzw. Geflüchteten, weil sie in ihrem Land keine Arbeit finden, oder nicht genug zu essen haben. Sie kommen aus Not, nicht aus Habgier. Sie brauchen Hilfe bei der Bewältigung dieser bedrohlichen Lebenslage. Und doch treffen sie zu oft auf Ablehnung, Angst und Vorurteile.

Rassismus und Fremdenfeindlichkeit nicht unkommentiert lassen bedeutet, gemeinsam unsere demokratische Gesellschaft und die Gleichwertigkeit aller Menschen zu verteidigen.

Rassistische Parolen beschwören Ängste und Bilder herauf, die nicht der Realität entsprechen. Die AfD hat als Strategie zum Bundestagswahlkampf 2017 die Leitlinie herausgegeben »ganz bewusst und ganz gezielt immer wieder politisch inkorrekt zu sein, um zu provozieren«.

Wir stellen uns dem entgegen und stellen dumpfen und falschen Parolen Fakten und Tatsachen entgegen. Wir stellen Vielfalt und Solidarität in unserer Gesellschaft an die oberste Stelle.

IMFORMATIONEN UND FAKTEN ZUR DISKUSSION UM ZUWANDERUNG UND ASYLPOLITIK

  • »DIE MEISTEN ZUWANDER:INNEN WOLLEN NACH DEUTSCHLAND.«

    STIMMT NICHT GANZ!

    Der Eindruck ist nicht ganz richtig. Viele Flüchtlinge bleiben eben doch auch in den Transitländern, wie z.B. in Zypern, Malta und Griechenland, oder sie reisen durch Deutschland weiter nach Skandinavien.

    Deutschland nimmt zwar die meisten Flüchtlinge auf; wenn man aber die absoluten Zahlen mit anderen europäischen Ländern vergleicht, liegen – im Verhältnis zur Landesbevölkerung – Zypern, Malta und Griechenland vor Deutschland.

    2020 kamen die Asylsuchenden insgesamt aus fast 150 Ländern. Die in der EU gestellten Asylanträge gingen um 32 % gegenüber 2019 zurück.

    Ein wachsender Anteil der Antragsteller:innen reist aus visumfreien Ländern (28 % der Erstanträge 2020) legal in die EU ein, hauptsächlich aus Venezuela, Kolumbien, Georgien und Peru.

    Quellen: ec.europa.eu, mediendienst-integration.de, bamf.de

    Die meisten Flüchtlinge in Deutschland kommen aus Bürgerkriegsregionen

    Herkunftsländer der Flüchtlinge in Deutschland für das Jahr 2021:

  • »KÖNNEN WIR UNS ZUWANDERUNG ÜBERHAUPT LEISTEN?«

    JA!

    Flüchtlinge zu schützen ist eine humanitäre und völkerrechtliche Verpflichtung, die keiner Kosten-Nutzen-Rechnung unterliegen darf. Außerdem: Ohne Migration wäre die EU-Bevölkerung 2019 bei 4,2 Mio. Geburten und 4,7 Mio. Sterbefällen um eine halbe Million geschrumpft. Vorläufigen Daten zufolge sank die EU-Bevölkerung 2020 um rund 300 000 Menschen. Gründe dafür sind weniger Geburten, mehr Sterbefälle und eine geringere Nettozuwanderung.

    Für 2019 plante der Bund rund 22,9 Milliarden Euro an flüchtlingsbezogenen Ausgaben. Davon allein für die Fluchtursachenbekämpfung (8,3 Mrd. Euro) und Zahlungen zur Entlastung der Bundesländer und Kommunen (6,0 Mrd. Euro). 2019 gab es keine Neuverschuldung.

    Im Vergleich mit anderen Ausgaben fällt diese Zahl weit weniger gewaltig aus. Für Soziales und Arbeit wurden im Bundeshaushalt 2019 144,2 Milliarden Euro ausgegeben, der Verteidigungshaushalt betrug 43,2 Milliarden.

    Ein weiterer Aspekt ist jedoch, dass der Sozialstaat und somit wir alle langfristig von Einwanderung profitieren. Dies belegt eine Studie der Bertelsmann-Stiftung. Menschen ohne deutschen Pass zahlen im Schnitt pro Jahr 3.300 Euro mehr an Steuern, als sie an staatlichen Leistungen erhalten. Dies brachte zum Beispiel in 2013 dem deutschen Staat einen Überschuss von 22 Milliarden Euro.

    Übrigens: Die Kosten der Bankenrettung haben sich bis Ende 2017 auf eine Summe von 131,7 Milliarden Euro belaufen.

    Quellen: ec.europa.eu, bpb.de, bundesfinanzministerium.de, bertelsmannstiftung.de, de.statista.com

  • »NEHMEN AUSLÄNDER:INNEN UNS DIE ARBEIT WEG?«

    NEIN. WIR BRAUCHEN SIE!

    Ohne ausländische Arbeitskräfte hätte Deutschland keine Chance, seinen Wohlstand zu halten. Selbst wenn wir alle Anstrengungen unternehmen, dass aus allen Schulabgänger:innen in Deutschland ein/e Auszubildende/r wird und diese hier dann auch in Deutschland weiterarbeiten, selbst dann wird es uns nicht gelingen alle vorhandenen Arbeitsplätze zu besetzen. Deswegen ist es unumgänglich, unseren Arbeitsmarkt zu öffnen für die, die aus der EU und aus Drittstaaten kommen.

    Es kommen weniger Flüchtlinge nach Deutschland, aber immer mehr Menschen, die hier arbeiten oder studieren wollen.

    Die Vorstellung, dass Migranten oftmals arbeitslos sind oder „Deutschen“ die Arbeitsplätze wegschnappten, wird in einer OECD- Studie von 2019 widerlegt.

    Migranten können demnach sogar helfen, neue Arbeitsplätze zu schaffen. Der Fachkräftemangel ist inzwischen sehr groß. Zugewanderte Menschen übernehmen oft Arbeitsstellen, die sonst nicht besetzt werden können, häufig auch in sehr schlecht bezahlten Jobs. Und sie schaffen damit wiederum Möglichkeiten für andere.

    Quellen: daserste.ndr.de, sueddeutsche.de, ec.europa.eu

  • »WARUM HABEN DIE MEISTEN FLÜCHTLINGE SMARTPHONES?«

    WEIL ES WICHTIG IST!

    Das Smartphone ist oftmals ein wichtiges Kommunikationsmittel. Diejenigen, die ihr Land verlassen müssen, besorgen sich meist extra ein Handy, um mit ihren Familien und Freund:innen Kontakt halten zu können. Einige Hersteller boten in den entsprechenden Ländern in der Vergangenheit auch extra einfache Geräte an.

    Nicht alle Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, sind in ihrem Heimatland arm gewesen. Unter den Flüchtlingen befinden sich auch Ärzt:innen, Informatiker:innen, Professor:innen. Ein Großteil der Menschen flieht vor Krieg, Unterdrückung und Terror – nicht in erster Linie aus wirtschaftlichen Gründen.

    Quelle: iwkoeln.de

  • »HABEN DIE ZUWANDER:INNEN EIN SCHLECHTES BILDUNGSNIVEAU?«

    STIMMT SO NICHT!

    Beim Bildungsniveau wird meist nur auf Geflüchtete geschaut. Es sollte aber eben nicht übersehen werden, dass viele der gegenwärtigen Zuwanderer aus anderen Ländern, anderen Motiven und unter anderen rechtlichen Rahmenbedingungen nach Deutschland kommen. Viele kommen aus Ländern der Europäischen Union.

    Bisherige Ergebnisse aus Studien und Befragungen zeigen, dass das Qualifikationsniveau der Geflüchteten in Deutschland sehr unterschiedlich ist und sich insgesamt stärker im mittleren Bildungsbereich zentriert.

    Zuwanderer:innen:
    jung und motiviert.

    Hinzu kommt, dass die meisten der Zuwander:innen relativ jung sind, was das Lernen entsprechend erleichtert. Viele Flüchtlinge sind darüber hinaus hoch motiviert.

    Insgesamt streben 44 % einen Schulabschluss und zwei Drittel einen beruflichen Abschluss an, darunter 34 % einen akademischen Abschluss.

    Hinweis: Eine Berufsausbildung, wie sie in der Bundesrepublik existiert, gibt es außer in Österreich und in Teilen der Schweiz noch nicht einmal in Europa, geschweige denn weltweit. Trotzdem besitzen fast alle Flüchtlinge berufliche Erfahrung und Kenntnisse.

    Quelle: iwkoeln.de

  • »WERDEN FLÜCHTLINGE FINANZIELL BESSER GESTELLT ALS HARTZ-IV-BEZIEHER:INNEN?»

    NEIN!

    Die Grundbedürfnisse von Asylbewerber:innen in Erstaufnahmeeinrichtungen und Gemeinschaftsunterkünften werden durch Sachleistungen gedeckt. Dazu zählen Unterkunft, Essen, Heizung, Gesundheits- und Körperpflege und Haushaltswaren. Zusätzlich erhalten sie ein sogenanntes Taschengeld von 153 € im Monat. Bei einer Unterbringung außerhalb von Aufnahmeeinrichtungen können Geldleistungen zur Deckung der Grundbedürfnisse ausgezahlt werden. Der Regelsatz für alleinstehende Leistungsberechtigte liegt hier bei 198 €. Zum Vergleich: der Regelsatz für alleinstehende Leistungsberechtigte nach Hartz IV betrug 2021 446 €.

    Unterstützungsleistungen für Flüchtlinge, auch als Sachleistungen möglich

    Hartz-IV-Regelsatz

    Hinzu kommen ein eingeschränkter Anspruch auf medizinische Versorgung und zahlreiche vom Gesetz vorgesehene Kürzungsmöglichkeiten.

    Es ist höchst unwahrscheinlich, dass Menschen wegen solcher Geldbeträge die erheblichen Risiken für Leib und Leben auf sich nehmen, die mit der Flucht verbunden sind.

    Quelle: uno.fluechtlingshilfe.de

  • »MIT DER ZUNAHME VON FLÜCHTLINGEN STEIGT AUCH DIE KRIMINALITÄT!«

    NEIN!

    Kriminalität und Gewalt ist keine Frage der Staatsangehörigkeit oder der ethnischen Herkunft eines Menschen, sondern vielfach eine Frage der örtlichen Lebensbedingungen und somit der sozialen Herkunft der Menschen.

    Von den Tatverdächtigen im Jahr 2020 waren 12 % Zuwander:innen. 2017 wurde die Anzahl der Flüchtlinge an dieser Gruppe ermittelt. Es waren lediglich 0,5 %. Von Migranten verübte Straftaten erfahren in Zeiten hoher Zuwanderung eine große öffentliche Aufmerksamkeit.
    Vielfach werden Flüchtlinge durch persönliche Gewalt oder Anschläge auf Flüchtlingsheime jedoch zu Opfern von Gewalttäter:innen.

    Die Ausschreitungen und Streitigkeiten in einigen Flüchtlingsunterkünften haben laut Polizeiberichten den Ursprung in der Überbelegung der Notunterkünfte und Einrichtungen. Hierdurch verursachte Spannungen tragen dann innerhalb der Gruppen zu möglichen Auseinandersetzungen bei. Ein höheres Aggressionspotenzial liegt nicht vor.

    Quellen: uno.fluechtliongshilfe.de, bmi.bund.de

MISCH DICH EIN

TIPPS FÜR DIE DISKUSSION UND DEN UMGANG MIT MENSCHEN, DIE PAROLEN SCHWINGEN.

Am Arbeitsplatz, in Bahn oder Bus, im Café oder im Sportverein: Flüchtlinge sind überall ein Gesprächsthema. Fragen, Unsicherheiten, Diskussionen bleiben auf der Strecke, wenn Parolen und Ressentiments die Herrschaft übernehmen.

  • NICHT EINFACH IGNORIEREN!

    Parolenschwinger können Raum einnehmen, sich durch fehlenden Widerspruch bestärkt und als „Gewinner“ fühlen. Vielleicht macht er oder sie, bestärkt durch den Erfolg, einfach weiter.

  • FAKTEN ALLEIN HELFEN LEIDER SELTEN.

    In der Regel werden Parolenschwinger Fakten ignorieren oder den anderen das Wort im Mund umdrehen und die Fakten passend zur Wahrnehmung umformen. Aber: Es gibt Informationen, die besser funktionieren als andere. Die sollten genutzt werden: Fakten, die Aha-Erlebnisse ermöglichen, Nachdenklichkeit provozieren, Irritationen auslösen. Vermittelt werden diese am besten in Form von persönlichen Geschichten und Anekdoten oder anhand eigener Erfahrungen.

  • HUMOR UND IRONIE HILFT.

    Verbissenheit tut Diskussionen niemals gut. Ein passender Witz und eine Portion Selbstironie können Wunder wirken, um das Klima zu entspannen und alle Gesprächsteilnehmer:innen wieder für Argumente zu öffnen.

  • NACHFRAGEN HILFT.

    »Woher weißt du das denn?«, »Kannst du mir erklären, wie A und B zusammenpassen?«, »Hast du dafür mal ein konkretes Beispiel?« Nachfragen verstrickt Parolenschwinger oft in Widersprüche oder macht Absurditäten der Argumentation offensichtlich.

  • WILLST DU DAS WIRKLICH?

    Konsequenzen können ein Argument sein. Einfach die gehörte Parole laut weiterdenken. Wozu führt der (z.B. menschenverachtende oder demokratiefeindliche) Spruch, wenn er in Handlungen mündet? Will dein Gegenüber das wirklich? Weiterdenken hilft auch bei zu kurz greifenden Aussagen (etwa: »Wie sähe denn dein Leben aus, wenn morgen alle Ausländer:innen das Land verlassen würden?«).

  • MANCHMAL MUSS MAN ES SEIN LASSEN.

    Dir fehlen gerade die Worte? Möglicherweise sogar die nötigen Hintergrundinformationen, um gut zu argumentieren? Es ist legitim, eine Diskussion auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben, um sich besser vorbereiten zu können.

  • NICHT ABLENKEN LASSEN!

    Viele Parolenschwinger lassen eine Stammtischweisheit nach der nächsten los. Hier hilft es, sie aufzufordern, mal bei der ersten These zu bleiben, um darüber zu diskutieren. Es ist besser, eine Parole zu entschärfen, als sich in vielen verschiedenen Argumentationssträngen zu verzetteln.

  • SCHÖN STILL SEIN.

    Die Diskussion kocht, der Ton wird laut? Hier hilft es, bewusst und leise weiterzureden. Wenn ruhig und sachlich diskutiert wird, hört mann/frau aufmerksamer und offener zu.

  • AUCH MAL ZUSTIMMEN.

    Nennt der/die Parolenschwinger:in eine These, von der du findest, dass vielleicht »etwas Wahres dran« ist? Dann kannst du ruhig mal in Teilen zustimmen, Verständnis zeigen. Aber nicht nachlassen, pauschale Aussagen zu relativieren, Vielschichtigkeit aufzuzeigen und alternative Denkweisen anzuregen.

  • SICH VERBÜNDETE SCHAFFEN.

    Wer argumentiert schon gern allein gegen den Rest der Welt? Wenn jemand am Tisch ein wirkungsvolles Argument nennt oder es einige gemeinsame Punkte gibt – einfach in den nächsten Gesprächsbeitrag noch einmal aufnehmen und die Gemeinsamkeit benennen. Wer so angesprochen wird, nimmt dies positiv wahr und unterstützt diese Punkte dann womöglich auch.

    Quelle 'TIPPS FÜR DIE DISKUSSION UND DEN UMGANG MIT MENSCHEN, DIE PAROLEN SCHWINGEN.': Bundeszentrale für politische Bildung

Wir lieben Vielfalt Solidarität Gerechtigkeit

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IMFORMATIONEN UND FAKTEN ZUR DISKUSSION UM ZUWANDERUNG UND ASYLPOLITIK – DGB Flyer der Regionen – Faktencheck gegen Rechts

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EINSCHREITEN FÜR DEMOKRATIE

Konterbunt

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Ein rassistischer Spruch auf der Familienfeier, ein sexistischer Witz auf dem Schulhof oder eine abfällige Bemerkung über Geflüchtete in der Kneipe – Du möchtest etwas entgegnen, aber ehe Dir eine gute Antwort einfällt, ist die Situation auch schon vorbei. Je besser Du Dich auf solche Situationen vorbereitest, desto leichter fällt es Dir, in solchen Momenten zu kontern. In der App „KonterBUNT. Einschreiten für Demokratie“ kannst Du Dich spielerisch mit möglichen Antworten und Reaktionsstrategien auseinandersetzen.

 

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