Deutscher Gewerkschaftsbund

Lübeck wird Orange

(sexualisierte) Gewalt am Arbeitsplatz

Stop Gewalt gegen Frauen

DGB SH Südost

Juliane Hoffmann

"Wir sind solidarisch, wir unterstützen einander!
Wir sagen NEIN ZU GEWALT AN FRAUEN!
In Deutschland und überall auf der Welt!“

Juliane Hoffmann
DGB SH Südost

Mit der #MeToo-Debatte ist sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz weltweit zum Dauerthema geworden. Und mit der ILO-Konvention 190 wurde nun endlich ein internationales Übereinkommen gegen Gewalt und sexuelle Belästigung in der Arbeitswelt samt Empfehlungen zur Umsetzung in den Nationalstaaten beschlossen, das internationale Mindeststandards regelt und Grenzen setzt. Es setzt ein starkes und weltweit verbindliches „Null-Toleranz“-Signal gegen Gewalt gegen Frauen am Arbeitsplatz.


Denn sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ist schwerwiegend. Sie kann das Betriebsklima vergiften, die Leistung des Unternehmens beeinträchtigen, betroffene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter demotivieren und krank machen. Trotzdem ist sexuelle Belästigung in den meisten Betrieben kein Thema. Das bedeutet aber nicht, dass sie im Unternehmen nicht vorkommt. Ungefähr jede/r zweite Beschäftigte hat bereits sexistische Witze, anzügliche Bemerkungen, unerwünschte Berührungen oder andere Formen sexueller Belästigungen erlebt. Nur in den seltensten Fällen wird offen darüber gesprochen. Dieses Thema ist viel zu oft noch ein Tabu.

Dabei sind die Unternehmen gesetzlich verpflichtet, gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz vorzugehen (§ 12ff. AGG). Sie müssen vorbeugende Maßnahmen treffen, ihre Beschäftigten schulen, im Fall einer sexuellen Belästigung die geeigneten, erforderlichen und angemessenen Maßnahmen gegenüber belästigenden Beschäftigten ergreifen.

Der DGB-Leitfaden zur Verhinderung von sexueller Belästigung am Arbeitsplatz zeigt mit vielen Good Practise-Beispielen und einer Muster-Betriebsvereinbarung, wie sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz verhindert und ein diskriminierungsfreies Betriebsklima geschaffen werden kann.

Der Handlungsleitfaden kann hier heruntergeladen werden:

Ist das normal? Bin ich zu sensibel?
Wo beginnt sexualisierte Gewalt am Arbeitsplatz?
   

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz beginnt nicht erst mit unerwünschten Berührungen oder erzwungenen sexuellen Handlungen. 

Bereits sexuelle Anspielungen, aufdringliche Blicke oder obszöne Worte und Gesten fallen darunter. Aber auch Nachrichten mit sexuellem Inhalt zählen dazu. Ebenso unerwünschte erotische oder pornografische Bilder, die am Arbeitsplatz aufgehängt werden. Und auch das Androhen beruflicher Nachteile bei Verweigerung von sexuellen Handlungen oder das Versprechen beruflicher Vorteile bei Entgegenkommen.

Die Täter oder Täterinnen können sich nicht damit herausreden, dass es sich lediglich um ein „Kompliment“ gehandelt habe. Studien zeigen, dass die meisten Menschen ein feines Gespür dafür haben, wann die Grenzen und die Würde eines Menschen verletzt sind. Sexuelle Belästigung ist ein bewusstes und geplantes Verhalten.

Du verdienst Respekt!

Mehr zu Formen von sexualisierter Gewalt am Arbeitsplatz:
staerker-als-gewalt.de/gewalt-erkennen


Gewalt macht Angst. Gewalt macht unsicher.
Was kannst du tun?

Was tun gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz?

Gewalt am Arbeitsplatz ist für Betroffene besonders bedrohlich, weil sie auch das Einkommen und die wirtschaftliche Existenz der Betroffenen gefährdet.

Mache dir klar:

Dich trifft keine Schuld an der Situation. Studien zeigen, dass es keine typischen Opfer von Gewalt am Arbeitsplatz gibt und somit auch kein „richtiges“ oder „falsches“ Verhalten. Verantwortlich ist allein der Täter oder die Täterin. Auch die Unternehmenskultur spielt eine große Rolle.

5 Tipps, was du tun kannst

  1. Sprich den Täter oder die Täterin an. Sag der Person, dass du dich belästigt oder verfolgt fühlst. Sage ihm oder ihr, dass du Konsequenzen ziehen wirst. Manche Täter schüchtert es ein, wenn du klare Grenzen setzt.
  2. Suche dir Verbündete im Kollegenkreis oder unter Vorgesetzten. Auch Kolleginnen und Kollegen, die nichts unternehmen, sind oft nicht einverstanden mit der Gewalt und können dir beistehen.
  3. Dokumentiere die Vorfälle. Notiere, was genau passiert ist, die Zeit und den Ort, mögliche Zeugen und Ihre Reaktion. Das kann später ein wichtiges Beweismittel sein. Besprechich mit deiner Hausärztin oder Hausarzt, dass du Gewalt am Arbeitsplatz ausgesetzt bist. Bringe gesundheitliche Folgen wie Schlaflosigkeit, psychosomatische Erkrankungen oder depressive Symptome konsequent mit den Vorfällen in Verbindung.
  4. Lasse dich beraten. Wende dich dafür an die Personalabteilung, den Betriebs- oder Personalrat, die betriebliche Gleichstellungsbeauftragte, an deine Gewerkschaft oder an Beratungsstellen. Prüfe mithilfe der Fachleute deine Möglichkeiten, Strafanzeige zu erstatten oder zivilrechtliche Ansprüche wie Unterlassung, Schadensersatz oder Schmerzensgeld durchzusetzen.
  5. Alle Beschäftigten haben das Recht, bei der zuständigen Stelle im Betrieb Beschwerde wegen sexueller Belästigung einzulegen. Diese muss eingerichtet und vom Arbeitgeber bekannt gemacht werden (Paragraf 12, Absatz 5 des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes).
     

Beratung und Hilfe

Es ist mutig, gegen Gewalt am Arbeitsplatz einzustehen. Du verdienst Respekt. Dabei ist es aber völlig normal, wenn du dich unsicher fühlst. Du hast ein Recht auf Beratung und Unterstützung. Erste Ansprechpartner sind:

Beratung

Anastasia Gepp/pixabay

Sie beobachten Gewalt am Arbeitsplatz:
Schreiten Sie ein


Gewalt am Arbeitsplatz schadet dem gesamten Unternehmen. Kolleginnen und Kollegen können Betroffenen beistehen; Vorgesetzte haben sogar eine Fürsorgepflicht und müssen von Gewalt betroffene Personen schützen.

Wenn Sie helfen möchten oder einen Verdacht haben und nicht wissen, wie Sie sich am besten verhalten können, stehen auch Ihnen die Beratungsangebote offen. 

staerker-als-gewalt.de/handeln


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