Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 29-2021
DGB im Gespräch mit Stefan Seidler, SSW

Gespräch auf Augenhöhe

DGB-Kreisverband Ostholstein: „Wir sind sehr positiv davon beeindruckt, dass wir uns auf Augenhöhe und ohne den typischen Politiker:innensprech austauschen konnten!“


Stefan Seidler vom SSW: „Der Norden kommt viel zu oft viel zu kurz. Deshalb haben wir uns nach letztmalig 1961 wieder auf die Mission Bundestag begeben.“

Traumszenario Bürgerversicherung

Die Gewerkschafter:innen wollen wissen, wie sich der SSW-Kandidat zum Thema „Bürgerversicherung“ positioniert – und erhalten eine klare Antwort: „Wir sind dafür!“ Stefan Seidler erläutert, dass der SSW seine Politik nach den skandinavischen Modellen wie Volksrente oder Bürgerversicherung ausrichtet. „Das ist für uns ein Traumszenario. Wir möchten gern aus den guten Erfahrungen aus Dänemark gute Argumente ableiten und in die Diskussionen und Meinungsbildung im Bundestag einbringen“
Auch in Sachen „gute Arbeit“ ist man sich schnell einig: die Vergabe öffentlicher Aufträge sollte sich mindestens an Tarifbindung und guten und fairen Arbeitsbedingungen der beauftragten Unternehmen richten. Seidler: „Wir müssen in die Aus- und Weiterbildung unserer Arbeitnehmer:innen investieren und hierbei Arbeitgeber:innen und Unternehmen in die Pflicht nehmen, sonst verlieren wir den Anschluss in der Welt!“

DGB im Gespräch mit Stefan Seidler, SSW

Austausch über gewerkschaftliche Positionen – DGB-Kreisverband Ostholstein trifft Stefan Seidler, Spitzenkandidat des SSW

Schleswig-Holstein hat ein großes Problem: zu wenig bezahlbarer Wohnraum

Der DGB-Kreisverband beschäftigt sich seit geraumer Zeit intensiv mit dem Thema „bezahlbarer Wohnraum und sozialer Wohnungsbau“ im Kreis Ostholstein und macht immer wieder auf Missstände aufmerksam: „es wird in Schleswig-Holstein immer noch zu wenig gefördert und auch die Sozialbindungen werden zunehmend verkürzt. Dadurch kann sich arbeitsortnahes Wohnen in den niedrigen bis mittleren Einkommensgruppen kaum noch jemand leisten. Und der schwach ausgebaute ÖPNV vergrößert dieses Problem zusätzlich“ erläutert Wilfried Beyer, Mitglied des DGB-Kreisverbands.
Der SSW-Spitzenkandidat ist dankbar für diesen Hinweis: „Auf unserer Tour durchs Land ist mir erst richtig bewusst geworden, wie groß das Problem in Schleswig-Holstein mit verfügbarem Wohnraum tatsächlich ist. Genossenschaften, Mietspiegel und Mietpreisbremse habe ich schon lange befürwortet, darin sehe ich mich jetzt noch mehr bestärkt.“

Finger in die Wunde: Feste Fehrmarnbeltquerung

Der DGB-Vorsitzende Bernd Friedrichs fragt es geradeheraus: „Lars Harms und Anke Spoorendonk waren ihrerzeit noch deutlich gegen die feste Fehmarnbeltquerung. Die Position des SSW hat sich hier offensichtlich verändert. Wie konnte das passieren?“
Seidler: „wir sind nach wie vor kein Fan davon und würden lieber die Stärkung der Jütland-Route sehen“. Er weist aber auch darauf hin, dass die feste Querung nunmehr beschlossene Sache ist und die Verträge gemacht sind. Und da auf dänischer Seite längst mit den Bauarbeiten begonnen wurde, wird sich ausgerechnet die Partei der dänischen Minderheit in Deutschland nicht ernsthaft dagegen positionieren. Viel mehr möchte der SSW dieses riesige europäische Infrastrukturprojekt kritisch-konstruktiv begleiten.
Friedrichs unterstreicht die Bedeutung des Tunnelbaus für die Sonneninsel Fehmarn: „Für Fehmarn, die Scandlines-Mitarbeiter:innen und in der Folge auch für die Arbeitsplätze in der Tourismusbranche entlang der Trasse, ist dieser Bau ein Fiasko!“
SSW und DGB-Ostholstein einigen sich darauf im Dialog zu bleiben und das Zusammenwachsen der Regionen gemeinsam positiv für Bürger:innen und Arbeitnehmer:innen zu beobachten und sich im Rahmen der Möglichkeiten einzumischen.