Deutscher Gewerkschaftsbund

05.10.2012
DGB-Berechnungen:

Gut ein Viertel der Beschäftigten im Kreis Ostholstein rutscht nach Jobverlust direkt in Hartz IV

von: Andreas Sankewitz

Trotz Beitragszahlung haben viele Beschäftigte bei Jobverlust keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld. Im Kreis Ostholstein sind in 2011 gut ein Viertel der sozialversichert Beschäftigten nach Verlust ihres sozialversicherten Arbeitsplatzes direkt ins Hartz IV-System gerutscht. Besonders kritisch ist die Situation in der Leiharbeit. Andreas Sankewitz, Geschäftsführer der DGB-Region Schleswig-Holstein Südost fordert daher einen besseren Schutz kurzfristig Beschäftigter in der Arbeitslosenversicherung.

Beschäftigte, die ihren Job verlieren, sind bereits bei Eintritt der Arbeitslosigkeit im Kreis ähnlich auf Hartz IV angewiesen wie im Bundesschnitt. 2.147 Beschäftigte, die nach einer sozialversicherten Tätigkeit arbeitslos wurden, sind direkt ins Hartz IV-System gerutscht. Dies waren 25 % aller Arbeitskräfte, die in 2011 neu arbeitslos wurden.

Normalerweise haben Beschäftigte, die ihren Arbeitsplatz verlieren, Anspruch auf das aus Sozialbeiträgen finanzierte Arbeitslosengeld; doch ein großer Teil der Arbeitslosen fällt durch die Maschen des Sozialversicherungssystems und verarmt. Denn wer arbeitslos wird und in den vergangenen zwei Jahren nicht mindestens 12 Monate in einem sozialversicherten Beschäftigungsverhältnis stand, rutscht direkt in die Fürsorgeleistung Hartz IV. Die soziale Sicherungsfunktion der Arbeitslosenversicherung hat sich mit den Hartz-Gesetzen und der Ausweitung befristeter und prekärer Beschäftigung deutlich verschlechtert.

In 2011 sind im Kreis Ostholstein insgesamt 8.542 Beschäftigte aus einer sozialversicherten Tätigkeit arbeitslos geworden, nur drei Viertel wurden vom Versicherungssystem betreut. Besonders problematisch ist nach DGB-Berechnungen die Situation in einigen Branchen. So sind im Gastgewerbe gut 24 Prozent derjenigen, die im vergangenen Jahr ihre sozialversicherte Beschäftigung verloren haben, direkt zu Hartz IV-Empfängern geworden. In der Leiharbeit sind es sogar 40 Prozent, die nach Job-Verlust unmittelbar auf staatliche Fürsorge angewiesen sind. Da der Kreis Ostholstein weitgehend die Mietkosten für alle Hartz IV-Empfänger übernehmen muss, wird der Kreis durch die Sicherungslücken des Sozialversicherungssystems und die Politik des Heuern und Feuerns insbesondere in der Leiharbeit in besonderer Weise belastet.

Im Verarbeitenden Gewerbe ist das Entlassungsrisiko wie das Hartz IV-Risiko deutlich geringer. Von den Beschäftigten, die ihren Job verloren haben, waren in dieser Branche „lediglich“ 16,5 Prozent auf Hartz IV angewiesen. Für die Leiharbeitskräfte im Kreis ist das Hartz IV-Risiko nach Jobverlust mehr als doppelt so hoch.

Der DGB fordert daher, die Regelungen der Arbeitslosenversicherung insbesondere für kurzfristig Beschäftigte zu verbessern. Aus gewerkschaftlicher Sicht sollte insbesondere die Rahmenfrist, in der der Anspruch erworben werden kann, wieder von 24 auf 36 Monate verlängert werden. Alle, die in den letzten drei Jahren mindestens 12 Monate beschäftigt waren, würden dann wieder Arbeitslosengeld I erhalten, wie dies bereits vor den Hartz-Gesetzen der Fall war. Das würde auch befristet Beschäftigte begünstigen und die Mietaufwendungen der Stadt für arbeitslose Hartz IV-Empfänger reduzieren.


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