Deutscher Gewerkschaftsbund

22.01.2013
7. Lübecker Armutskonferenz

Armut als Krankheitsrisiko - Krankheit als Armutsrisiko

Armut durch Krankheit

(babimu - Fotolia.com)

"Lieber arm und gesund als reich und krank" - dieser Satz gilt nicht. Studien belegen: Es gibt einen Zusammenhang zwischen sozialer Lage und Gesundheit. Wer lange ohne Job ist, wer wenig Einkommen und keine Perspektiven hat, ist häufiger krank. Nicht nur das individuelle Verhalten des Einzelnen entscheidet über die Gesundheit, auch das Wohnumfeld, der Arbeitsplatz, die sozialen Bedingungen oder der Bildungsstand sind wichtige Einflussfaktoren.

Gleichzeit gilt auch: Krankkeit macht arm.
LangzeitpatientInnen, die plötzlich auf Kranken- oder Arbeitslosengeld angewiesen sind, müssen in der Regel drastische finanzielle Einschnitte verkraften. Für chronisch kranke Menschen ist es schwierig, in den Arbeitsmarkt integriert zu werden. Längere Krankheiten gehören zu den Hauptursachen, dass Menschen sich verschulden.

Am 13. Februar 2013 kamen ExpertInnen, VetreterInnen von Organisationen, Verbänden, Vereinen, der Kommune und der Politik zusammen, um sich mit der Vielfältigkeit der Problematik auseinanderzusetzen.
   

Armut als Krankeitsrisiko - Krankheit als Armutsrisiko

Ein Vortrag von Dr. Hans-Jürgen Markus
   
Dr. Hans-Jürgen Markus   /

Dr. Hans-Jürgen Markus (M. Eilers-Baetu)

Nach der Begrüßung durch Pröpstin Frauke Eiben, hielt Dr. Hans-Jürgen Markus, Diözesan-Caritasdirektor Hildesheim und Mitbegründer der Nationalen Armutskonferenz, einen Vortrag zur Vielgestaltigkeit des Armutsrisikos durch Krankheit und des Krankheitsrisikos durch Armut, dass bereits in Erziehung, Ernährung und Bewegung, in Bildung und Chancengleichheit in der Kindheit seinen Anfang nimmt.
Er thematisiert die Verankerung gesundheitlicher Gleichstellung als Querschnittsaufgabe und plädiert für die Verfolgung nationaler Gesundheitsziele.

Ein hohes Potential für Armut und Krankheit birgt die Arbeitsmarktpolitik, die es vielen Menschen wie z.B. Leih- und ZeitarbeitnehmerInnen, MinijobberInnen und Langzeitarbeitslosen schwer macht, von ihrem Einkommen bzw. Lebensunterhalt zu leben, geschweige denn, eine gleichwertige Teilhabe in unserer Konsumgesellschaft zu erreichen, ihre Situation zu verbessern und ein gesundes Leben zu führen.

Dr. Markus spricht von mehr Sozialraumorientierung, der Förderung gesellschaftlichen Zusammenhalts durch wohldurchdachte Stadtplanung, von interkultureller Öffnung und Resilienzstärkung und der Förderung des Ehrenamtes. Und er beschreibt die Notwendigkeit, bessere institutionelle Zugänge zu schaffen, eine bessere fachliche Ressourcenorientierung umzusetzen und niedrigschwellige Gesundheitsangebote vorzuhalten. Zum Schluß weist er nochmals auf die Menschen hin, die der besonderen Unterstützung bedürfen und nicht im Schatten vergessen werden dürfen. Dies sind insbesondere Wohnungslose, AsylbewerberInnen und MigrantInnen ohne legalen Aufenthaltsstatus.
  

Vortrag Dr. Markus

(M. Eilers-Baetu)

Den Vortrag von Dr. Markus können Sie hier in ganzer Länge nachhören (Box oben auf der rechten Seite).

Den Vortrag in Textform können Sie direkt darunter runterladen.

Im Anschluss an den Vortrag kamen die Teilnehmer und Teilnehmerinnen in Workshops zusammen, um einzelne Themen intensiver zu besprechen und mögliche Ansatzpunkte und Lösungswege für Lübeck zu erarbeiten.
   

Pröpstin Frauke Eiben

Modertion der Workshop-Ergebnisse durch Pröpstin Frauke Eiben. (M. Eilers-Baetu)

 Workshops gab es zu den Themen:

  • Migration und Krankheit (Moderation: Irene Böhme, Gesundheitsamt Lübeck)
  • Krankheitsrisiko von armen Kindern (Moderation: Dr. Kaschlin Butt; Gesundheitsamt Lübeck)
  • Finanzielle Folgen von Krankheit (Moderation: Vivien Wolgast, Jobcenter Lübeck und Volker Langhans, Bereich Soziale Sicherung)
  • Prävention (Moderation: Sevihan Koc, Verbraucherberatung Kiel)

Die Ergebnisse der Workshops wurden dem Plenum im Anschluss vorgestellt.

Sie können die Beiträge hier in voller Länge nachhören (Boxen auf der rechten Seite).

Sie werden auch in schriftlicher Form in Kürze hier erscheinen.

 

gesundheitsmobil

(M. Eilers-Baetu)

Gesundheitsmobil

In der Pause gab es die Möglichkeit, sich das Gesundheitsmobil der Johanniter und der Gemeindediakonie Lübeck anzuschauen.

Im Gesundheitsmobil können sich Menschen unkompliziert und unbürokratisch untersuchen lassen. Es ist ein niedrigschwelliges Angebot, das sich insbesondere an sozial Benachteiligte und von Armut betroffene Menschen richtet. Dies sind insbesondere Erwerbslose, Wohnungslose, Kinder von SozialhilfeempfängerInnen und alleinerziehende Mütter und Väter.

Das Team des Gesundheitsmobils besteht aus einer Sozialpädagogin und einem Krankenpfleger, die hauptamtlich beschäftigt sind. Sie werden unterstützt von ehrenamtlich tätigen Ärztinnen, Ärzten, Zahnärztinnen, Zahnärzten und Fahrern.

Es werden Verletzungen und leichte Erkrankungen behandelt, einfache zahnmedizinische Untersuchungen und Beratungen durchgeführt, an Fachärzte und -ärztinnen vermittelt und bei sozialen und psychischen Problemen beraten.

Weitere Informationen und den aktuellen Fahrplan finden Sie unter www.gesundheitsmobil.org.

 

gesundheitsmobil

(M. Eilers-Baetu)

gesundheitsmobil

(M. Eilers-Baetu)

gesundheitsmobil

(M. Eilers-Baetu)


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