Deutscher Gewerkschaftsbund

06.06.2011
Dokumentation

Migration und Armut

Lübecker Armutskonferenz 2011

Migration und Armut

Migrationshintergrund erhöht das Armutsrisiko

Menschen mit Migrationshintergrund im Alter von 25 bis 65 Jahren sind etwa doppelt so häufig erwerbslos wie jene ohne (12,7% gegenüber 6,2% aller Erwerbspersonen) oder gehen ausschließlich einer geringfügigen Beschäftigung nach, zum Beispiel einem Minijob (11,5% gegenüber 7,0% aller Erwerbstätigen).

Ein fehlender allgemeiner Schulabschluss ist bei ihnen ebenso häufiger anzutreffen (14,0% gegenüber 1,8%) wie ein fehlender beruflicher Abschluss (42,8% zu 19,2%).

Die globale Wirtschaftskrise hat Menschen mit und ohne Migrationshintergrund getroffen. So ist die Erwerbslosenquote im Jahr 2009 im Vergleich zum Vorjahr um 0,7 beziehungsweise 0,3 % angestiegen; allerdings hat sich gleichzeitig die Armutsgefährdung um 0,4 beziehungsweise 0,6 % verringert. Trotzdem betrifft das Armutsrisiko auch 2009 noch Menschen mit Migrationshintergrund deutlich stärker als jene ohne. 25,2% aller sogenannter „Lebensformen“ (Alleinstehende, Alleinerziehende sowie alle Paare mit und ohne Kinder) sind armutsgefährdet, wenn der Haupteinkommensbezieher einen Migrationshintergrund hat, aber nur 11,1%, wenn dies nicht der Fall ist. (Quelle: Statistisches Bundesamt 07/2010)

Migration, Armut und Klimawandel, wie passt das zusammen?

Migration ist ein Armutsrisiko. Die Armutsgefährdung liegt mehr als doppelt so hoch wie im Durchschnitt der Bevölkerung. In Lübeck lebten am 31.12.2009 39.848 Menschen mit Migrationshintergrund, also etwa jede/r 5. Lübecker/in – keine Randgruppe.

Die Gründe für das besondere Armutsrisiko liegen insbesondere in der Kette aus mangelnden Schulabschlüssen, fehlender beruflicher Qualifikation und der daraus resultierenden Arbeitslosigkeit.
Oberflächlich betrachtet. Da dies aber seit Jahren bekannt ist und auch gut qualifizierte MigrantInnen nur schwer und noch schwerer in gut bezahlte Arbeit gelangen, liegt der eigentliche Grund in der
mangelnden Bereitschaft, dieses zu ändern. Hier muss ein Klimawandel erfolgen.

Gleichzeitig wird der ökologische Klimawandel uns vor neue Herausforderungen auch in der Integration von MigrantInnen stellen. Diese Herausforderungen können wir nur meistern, wenn wir aus den Fehlern der Vergangenheit lernen.

Die 5. Lübecker Armutskonferenz will diese Fehlentwicklungen aus dem Schatten ins Licht holen und gemeinsam mit allen TeilnehmerInnen Wege für Lübeck aufzeigen.

Armutsrisiko Nr. 1: Fehlende Bildung und geringe Qualifizierung

Die Teilhabe von Kindern unter 3 Jahren mit Migrationshintergrund fällt mit 9% wesentlich geringer aus als bei Kindern ohne Migrationshintergrund (17,5%). Dies setzt sich bei den 3-6jährigen fort: 84,7% mit Migationshintergrund im Vergleich zu 94,6% ohne Migrationshintergrund.

Der größte prozentuale Anteil von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund ist an den Hauptschulen zu finden. 15% der SchülerInnen mit Migrationshintergrund verlässt die Schule ohne Abschluss (ohne Migationshintergrund 6,2%), 40,2% mit Hauptschulabschluss, 32,6% mit Realschulabschluss und nur 12,3% mit einer Fachhochschul- oder allgemeinen Hochschulreife.

2004 begannen 40 % der deutschen BewerberInnen, aber nur 29% derjenigen mit Migrationshintergrund eine Ausbildung. Jede/r vierte Bewerber/in mit Migrationshintergrund mündet in Bildungsgängen des „Chancenverbesserungssystems".

Im Januar 2011 lag die Arbeitslosenquote in Lübeck insgesamt bei 11,3%. Die der AusländerInnen bei 24,6%.

Insbesondere die Situation von Asylbewerbern ist gekennzeichnet durch unssicheren Aufenthaltsstatus, keinen bzw. eingeschränkten Zugang zum Arbeitsmarkt, Residenzpflicht (Einschränkung der Mobilität) und Isolation.

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Prof. Dr. Latif

M. Eilers

Klimawandel muss sein ...

Prof. Dr. Mojib Latif, Klimaforscher vom Leibnizinstitut für Meereswissenschaften, stellt die Situation der Klimaentwicklung dar. Er geht in seinem Vortrag insbesondere auch auf die Zusammenhänge von Klimawandel, Katastrophen, sich ändernden Lebensbedingungen und der Veränderung von Lebensraum in Zusammenhang mit einer zu erwartenden Migrationsentwicklung ein.

Klimawandel bedeutet in diesem Sinne nicht nur Umlenken in ökologischer und energietechnischer Hinsicht, sondern auch im Sinne einer neuen Integrationskultur in Deutschland.

Hören Sie seinen Beitrag als Audio-Mitschnitt (s. rechte Spalte).

Prof. Dr. Mojib Latif auf den Seiten des IFM Geomar
Übersicht über seine aktuellen Bücher, Audio-Bücher und freie Audiobeiträge etc.

Prof. Dr. Mojib Latif bei Wikipedia
u.a. interessante weiterführende Links zu Interviews, Publikationen etc.

Klimawandel und Integrationskultur: Fragen und Antworten

Detlef Wulff vom Kreisverband des Paritätischen, Inga Gilsing von Sprungtuch e.V., Prof. Dr. Mojib Latif vom Leibnizinstitut für Meereswissenschaften, die schulamtliche Kreisfachberaterin für Deutsch als Zweitsprache Farsaneh Samadi, Jahan Mortezai vom Integrationscenter der AWO und Anke Seeberger, Leiterin der Stabsstelle Integration der Hansestadt Lübeck, antworten auf die Fragen des Publikums der Lübecker Armutskonferenz 2011, an der viele ExpertInnen aus der Praxis teilgenommen haben.

Insbesondere ging es um das Integrationskonzept der Hansestadt Lübeck, das derzeit ausgearbeitet wird, eine angestrebte Ausbildungsquote für MigrantInnen bei der Hansestadt Lübeck, die Schwierigkeiten in der Migration von nicht mehr schulpflichtigen jungen AsylbewerberInnen, denen Bildungsangebote verwehrt bleiben, dem möglichen wirtschaftlichen und Arbeitsmarktwandel durch eine neue Klimapolitik, die fehlende landesweite Vernetzung von Hilfsangeboten, die vor allem strukturschwache ländliche Gebiete betrifft, die Förderung der Sprachkompetenz im Vorschulbereich, verstärkte Migrationsanforderungen durch den Klimawandel und die Notwendigkeit, unsere Migrationskultur weiterzuentwickeln.

Hören Sie den Audio-Mitschnitt der Diskussion (s. rechte Spalte).

Was haben die Lübecker Armutskonferenzen bisher bewirkt?

Die grundsätzlichen Ziele der Lübecker Armutskonferenz liegen in dem Anliegen, die Themen so lange wie notwendig auf die kommunale Tagesordnung zu setzen, Maßnahmen anzuregen und Indikatoren von Veränderungen aufzuzeigen.

Detlef Wulff vom Kreisverband Schleswig-Holstein des Paritätischen gibt einen Überblick über die Entwicklungen in den Themenbereichen der letzten Armutskonferenzen: Kinderarmut, Jugendarmut und Altersarmut.

Im Bereich Kinder und Familie gibt es folgende Indikatoren für Veränderung:

  • ein verstärktes kommunales Bemühen, wie die Errichtung des Lübecker Bildungsfonds, das Auflegen von Programmen wie „Aufwachsen in Lübeck“, „Lernen vor Ort“ Schule als Lebens- und Lernort Aufbau von „Frühen Hilfen“,

aber auch

  • Rückschläge beim Ausbau von Ganztagsschulangeboten.

Im Bereich Arbeitslosigkeit von Jugendlichen konnte ein Rückgang verzeichnet werden von Jugendlichen, die die Berufsschule ohne Abschluss und derjenigen, die die Hauptschule ohne Abschluss verlassen haben.

Ebenso gibt es einen Rückgang von Arbeitslosen über 50 Jahren zu verzeichnen.


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Klimawandel muss sein ...

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Klimawandel, Katastrophen, sich ändernden Lebensbedingungen, Verlust und Veränderung von Lebensraum, Migrationsdruck, Migrationsentwicklung, Mangel an Nachhaltigkeit, Umweltpolitik, historische Verantwortung, erneuerbare Energien, globale Perspektive

Klimawandel und Integrationskultur

Fragen und Antworten

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Integrationskonzept der Hansestadt Lübeck, Ausbildungsquote für MigrantInnen, neues Schulgesetz, Migration von nicht mehr schulpflichtigen jungen AsylbewerberInnen, wirtschaftlicher und Arbeitsmarktwandel durch Klimapolitik, landesweite Vernetzung von Hilfsangeboten, Förderung der Sprachkompetenz im Vorschulbereich, verstärkte Migrationsanforderungen durch den Klimawandel, Migrationskultur

Portraits: Migranten in Armut

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Lebensgeschichte und -umstände zweier Migrantinnen, die in Armut Leben.

Was haben wir erreicht?

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Was wurde in den letzten Jahren erreicht, um Kinderarmut, Jugendarbeitslosigkeit und Altersarmut zu bekämpfen? Ein Überblick.