Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 03-2015 - 15.04.2015
1. Mai 2015

Die Zukunft der Arbeit gestalten wir!


Dieser Satz ist nicht nur ein Aufruf, sondern auch ein Anspruch an uns selbst. In einer Arbeitswelt, die immer höhere Ansprüche an die Beschäftigten stellt, wo Flexibilität, Leistungsverdichtung und die Bereitschaft zum lebenslangen Lernen fast jedes Berufsbild prägen, ist ein starkes Korrektiv notwendig, um die Arbeitsbedingungen trotzdem menschlich zu gestalten.

In der sich immer schneller wandelnden Arbeitswelt werden wir als Sozialpartner mit eigenen Vorschlägen dazu beitragen, dass Betriebe und Unternehmen auf dem Weg zur Industrie 4.0 ihre Verantwortung gegenüber den Belegschaften wahrnehmen und der Mensch in Strukturen arbeitet, die seine Fähigkeiten fördern, dem Wunsch  nach Familienzeit gerecht werden und eine angemessene Beteiligung an der Wertschöpfung sicherstellen. Dazu ist es unabdingbare Voraussetzung, Beteiligungsrechte von starken Betriebsräten zu sichern und Unternehmen die Flucht aus der Mitbestimmung gesetzlich zu verwehren.

Wichtig für die Entwicklung einer Region wie Lübeck ist natürlich eine moderne und nachhaltige Industriepolitik. In der Stadt haben sich in den letzten Jahren u.a. die Ernährungs-Logistik und Gesundheitsindustrie zu Wachstumsbranchen entwickelt, die durch ihre Leistungsfähigkeit auch zur Stärkung unserer Kommune massiv beigetragen haben.
Die nächsten erforderlichen Schritte sind jetzt der Erhalt einer leistungsfähigen Infrastruktur, wobei nicht nur der Straßenverkehr, sondern auch Wasserstraßen und Güterverkehr auf der Schiene gestärkt werden müssen. Unser Fokus liegt hier eindeutig auf dem Erhalt der vorhandenen Verkehrswege. Großprojekte, deren Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit nicht erwiesen sind, sehen wir hingegen kritisch.

Aber nicht nur die Gestaltung der Arbeitswelt steht in Zukunft im Fokus der Gewerkschaften, sondern auch die immer weiter um sich greifende Prekarisierung von Beschäftigungsverhältnissen werden wir nicht hinnehmen.
In Lübeck waren im Jahr 2012 von 20.282 Menschen, die Leistungen vom Jobcenter erhielten, 6.081 Personen erwerbstätig (Aufstocker). Das heißt 30 Prozent aller Leistungsbezieher mussten trotz Erwerbstätigkeit nach der Arbeit Unterstützungsleistungen empfangen. Im Jahr 2006 lag der Anteil noch bei 17,7 Prozent. Hier werden Geschäftsmodelle auf Kosten der Beschäftigten und der Allgemeinheit aufgezogen, die zu einer Verarmung trotz Arbeit führen. Dies ist aus unserer Sicht ein zutiefst asoziales Verhalten!
Wir lehnen deshalb Arbeitszeitmodelle wie Minijobs, Leiharbeit und Werkverträge grundsätzlich ab! Zu oft erleben wir, dass diese Instrumente benutzt werden, um gesetzliche Regelungen zu umgehen, Mitbestimmung auszuhebeln und Gewinne auf Kosten der Beschäftigten und der Allgemeinheit zu erzielen. Nach den ersten tariflichen Regelungen zur Leiharbeit ist jetzt der Gesetzgeber gefordert, um den um sich greifenden Einsatz von Werkverträgen zu beenden und Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer vor ausbeuterischen Methoden mancher Unternehmer zu schützen.

Leider ist durch die tiefe Spaltung des Arbeitsmarktes und der Verteilung des Reichtums von „Unten nach Oben“ in der Bundesrepublik Deutschland eine Situation entstanden, die zunehmend als demokratiegefährdend zu bezeichnen ist. Verstärkt durch die vor zehn Jahren eingeführte Hartz-Gesetzgebung finden wir jetzt eine Situation vor, wo bis tief in den Mittelstand eine massive Verunsicherung der Menschen eingetreten ist.
Die Angst vor Arbeitslosigkeit und sich vielleicht anschließendem Abstieg in das System der Grundsicherung  hat dazu geführt, dass Menschen bereit sind, fast jede Arbeit anzunehmen, egal wie schlecht die Arbeitsbedingungen und die Entlohnung sich darstellen. Auch wichtige Arbeitnehmerrechte wie die Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft oder die Gründung eines  Betriebsrates werden nicht wahrgenommen, um die Sicherheit eines Arbeitsplatzes nicht zu gefährden. Dies ist ein Rückschritt in der Geschichte der Arbeiterbewegung, der aus meiner Sicht einzigartig ist und dringend korrigiert werden muss.

Bevor ich diesen Artikel schließe und Ihnen einen tollen Maifeiertag wünsche, möchte ich ihren Blick noch auf ein Thema lenken, welches die Zivilgesellschaft in den nächsten Jahren vor besondere Herausforderungen stellen wird. Die Konflikte in der Welt führen zu Fluchtbewegungen von Menschen, die in ihren Herkunftsländern den Gefahren von Ermordung, Krieg und Hunger ausgesetzt sind.

Wir haben in diesem Land die moralische Verpflichtung, für alle Flüchtlinge Aufnahmebedingungen zu garantieren, die menschenwürdig und angstfrei sind. Die Kommunen sind bereits jetzt an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit angelangt und brauchen deshalb Unterstützung von den Bundesländern und der Bundesregierung, um diesen Ansprüchen gerecht zu werden.
Die Menschen, die zu uns kommen, sind willkommen und sollten schnellstmöglich die Chance bekommen, sich in unsere Gesellschaft zu integrieren. Sprachkurse und medizinische Versorgung, angemessener Wohnraum und Berücksichtigung der Bedürfnisse der Kinder in unseren Schulen müssen gewährleistet werden und dürfen nicht an fehlenden Haushaltsmitteln scheitern.

Rassismus und fremdenfeindliche Handlungen werden von uns in keinster Weise toleriert. Ich fordere alle Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt auf, sich auch in der alltäglichen Begegnung gegen offenen und verdeckten Rassismus zu stellen.
Wir sind als Gesellschaft verantwortlich für ein weltoffenes Klima und dazu bedarf es der Anstrengung aller, dies auch tatsächlich zu leben.

 

Der 1. Mai in Lübeck

  DEMONSTRATION
9.30 Uhr ab Wickedestraße / Wendehammer Kirche
IG Metall, EVG, GEW
  ab Schuppen 9 (Südseite) / Untertrave
verd.i, IG BAU, IG BCE, GdP, NGG
  mit Platzkonzert
10.00 Uhr Abmarsch zum Markt
10.00 -11.00 Uhr Platzkonzert auf dem Markt
11.00 Uhr KUNDGEBUNG  auf dem Markt
Eröffnung: Andreas Sankewitz, DGB-Region Schleswig-Holstein Südost
Hauptredner: Jörg Hofmann, 2. Vorsitzender der IG Metall
Gastrednerin: Lisanne Straka, DGB Nord - zum Thema Frauenpolitik
  Gewerkschaftschor Brot + Rosen
12.00 - 16.00 Uhr FAMILIENFEST  vor der Holstentorhalle
  mit Live-Musik von der Band Verstimmt

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Bild / Bildergalerie

11.02.2015

1. Mai 2015: Al­le The­men­pla­ka­te

Die zehn Themen-Slogans des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB)
DGB
"Die Arbeit der Zukunft gestalten wir!", lautet das Motto des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) zum 1. Mai 2015, dem Tag der Arbeit. Mit diesem Slogan und zehn weiteren Plakatmotiven zeigt der Bund der Gewerkschaften, welche Themen den Menschen in Gesellschaft und Arbeitswelt auf den Nägeln brennen.
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1. Mai 2015 in Lübeck

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1. Mai 2015 in Bargteheide

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1. Mai 2015 in Elmshorn

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1. Mai 2015 in Schwarzenbek

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1. Mai-Zeitung 2015

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