Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 11-2017 - 06.10.2017
Am Welttag für menschenwürdige Arbeit

DGB fordert Zurückdrängen prekärer Beschäftigungsverhältnisse

Welttag für menschenwürdige Arbeit

ITUC

Jeden Monat verkündet die Agentur für Arbeit neue Rekordzahlen vom Arbeitsmarkt. Anlässlich des Welttags für menschenwürdige Arbeit am 7. Oktober mahnt der Deutsche Gewerkschaftsbund in der Region Schleswig-Holstein Südost* allerdings diesen Jobboom kritisch zu hinterfragen. „Zur Wahrheit gehört eben auch, dass der Beschäftigungszuwachs fast ausschließlich auf die Ausweitung atypischer und prekärer Beschäftigungsverhältnisse zurückgeht“, erklärt Juliane Hoffmann, DGB-Regionsgeschäftsführerin. „Dazu gehören Minijobs, befristete Beschäftigungsverhältnisse, Leiharbeit und die nicht selten unfreiwillige Teilzeitarbeit.“ Die Zahl der atypischen Beschäftigungsverhältnisse (Minijobs, Leiharbeit, Teilzeitarbeit) ist laut Hans-Böckler-Stiftung in der Region in den letzten 10 Jahren ca. 169.000 auf etwa 230.000 angestiegen. Das bedeutet eine Steigerung um mehr als ein Drittel. Bundesweit sind zudem 3,2 Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer befristet beschäftigt, davon 1,5 Millionen ohne sachlichen Grund, und auch ihre Zahl steigt stetig. Frauen sind überdurchschnittlich oft von atypischer Beschäftigung und Befristungen betroffen. In der Region Schleswig-Holstein Südost leben knapp 19.000 Aufstocker (Stand April 2017), das heißt Menschen die sich und ihre Familie von ihrem Lohn nicht ernähren können und zusätzlich auf Sozialleistungen angewiesen sind.

„Als wohlhabendes Land sollten wir in der Lage sein, allen hier lebenden Menschen auch eine menschenwürdige Arbeit zu ermöglichen“, fordert Juliane Hoffmann. „Menschenwürdig bedeutet, von der eigenen Arbeit leben zu können ohne zusätzliche Sozialleistungen beziehen zu müssen. Es heißt auch, gleiches Geld und gleiche Rechte für gleiche Arbeit zu bekommen, unabhängig vom Geschlecht oder davon, ob jemand bei einem Unternehmen stammbeschäftigt oder als Leiharbeiter/in tätig ist. Menschenwürdige Arbeit bedeutet ebenso, eine sichere Perspektive zu haben und nicht Angst vor dem Ende der Befristung haben zu müssen.“

Dabei dürfen, so die DGB-Regionsgeschäftsführerin, auch nicht die weit mehr als 50.000 Erwerbslosen und Arbeitssuchenden in der Region vergessen werden: „Arbeit ist erst dann menschenwürdig, wenn man nicht Angst vor ihrem Verlust haben muss. Auch Erwerbslose sollten in Würde leben können. Deswegen müssen sie dringend vom Stigma befreit werden, das ihnen mit den Hartz-Reformen angehaftet wurde.“

Existenzängste und eine zunehmende soziale Spaltung der Gesellschaft seien auch der Nährboden, auf dem rassistisches und völkisches Gedankengut gedeihe. „Wenn wir den Menschen durch gute Arbeit ihre Menschenwürde wiedergeben, ist das das wirksamste Mittel gegen Angst und damit gegen die Spaltung unserer Gesellschaft. Nur mit Solidarität und Zusammenhalt können wir Hass und Ausgrenzung mutig entgegentreten“, ist Juliane Hoffmann überzeugt.

 

* Zur Region Schleswig-Holstein Südost gehören die Hansestadt Lübeck sowie die Kreise Herzogtum Lauenburg, Ostholstein, Pinneberg, Segeberg und Stormarn.


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