Deutscher Gewerkschaftsbund

09.06.2011
Dokumentation

Altersarmut

Lübecker Armutskonferenz 2010

Altersarmut

© CHW - fotolia.com

„...Angesichts der heute schon bestehenden Einkommensarmut, gemessen an den Fallzahlen bei Hartz IV und in der Grundsicherung (über 10 Prozent) und unter Berücksichtigung der sogenannten Dunkelziffer (rd. 2,4 Millionen) können mittel- und langfristig Altersarmut und Armut weiterer Gruppen bis zu einer Gesamtquote von 20 Prozent kumulieren, wenn nicht politisch gegengesteuert wird.“

(Thesen zur Entwicklung der Altersarmut, Der Paritätische Gesamtverband, 01/2008)
 

Die Prognosen sind düster:
Die Altersarmut wird weiterhin zunehmen.

Altersarmut entsteht durch das Zusammenwirken mehrerer Faktoren: Geringes Einkommen, massive Einschnitte in die Rentenversicherung, Versorgungslücken durch Arbeitslosigkeit, Zunahme sozialversicherungsfreier Arbeitsverhältnisse.
Damit reichen heute und erst recht morgen die erworbenen Rentenansprüche für die Sicherung des Lebensunterhalts nicht mehr aus. Womit in Zukunft immer mehr Menschen im Alter auf Fürsorgeleistungen angewiesen sein werden.

Die Zahl der Senior/inn/en, die schon in der Vergangenheit auf zusätzliche Hilfe angewiesen war, ist allein im Zeitraum von 2002 bis 2006 in der Hansestadt Lübeck von 1.100 auf 1.800 Personen gestiegen. Das ist ein Anstieg um 66,5 %. In einer Gesellschaft, die aufgrund des demographischen Wandels eine wachsende Anzahl älterer Einwohner/innen erwartet, wiegt diese Entwicklung doppelt schwer.
Dieses Problem betrifft insbesondere die Frauen, die wegen Nichterwerbstätigkeit oder nur geringer Erwerbstätigkeit unzureichende eigene Rentenansprüche erworben haben. Von den über 65-jährigen Grundsicherungsempfänger/innen des Jahres 2006 waren zwei Drittel Frauen.

In der 4. Lübecker Armutskonferenz werden wir die heutige Armut von älteren Menschen aus dem Schatten ins Licht holen. – Und wir werden den Blick nach vorne werfen. Auf die Altersarmut
von Morgen. – Und wir werden gemeinsam nach Wegen aus der Sackgasse suchen.

Altersarmut in Deutschland - ein Problem der Gegenwart und Zukunft

Prof. Dr. Gerhard Bäcker, Professor und Dekan des Fachbereichs Gesellschaftswissenschaften an der Universität Duisburg-Essen spricht in seinem Vortrag über Armut und Altersarmut in einem reichen Land, Methoden der Berechnung der Einkommensarmut, Armutsquoten, Grundsicherung im Alter, Umbrüche auf dem Arbeitsmarkt, Entwicklung des Rentenniveaus, unzureichende Leistungsstrukturen, private Altersvorsorge, Ausblick und Perspektiven und die Gestaltung des Arbeitsmarktes.

Prof. Dr. Bäcker

DGB SH Ost

Den Audiomitschnitt des Vortrages finden Sie in der rechten Spalte.

Die Präsentation zum Vortrag können Sie hier dorwnloaden:

 

Link zur Universität Duisburg-Essen, Fachbereich Gesellschaftswissenschaften

Weitere Informationen zu Prof. Dr. Gerhard Bäcker


Portraits zur Altersarmut von Heute und Morgen

Kerstin Weber-Spethmann, Leiterin der Seniorenakademie Lübeck und Karl-Theodor Junge, Vorsitzender des Lübecker Seniorenbeirats, stellen die Portraits von Frau S. und Herrn M. aus Lübeck vor. Sie sind von Altersarmut betroffen und berichten aus ihrem Leben.

Die Audiomitschnitte der Portraits finden Sie in der rechten Spalte.

Delef Wulff

DGB H Ost

Altersarmut in Lübeck -
Zahlen, Daten, Fakten

Detlev Wulff, Kreisvertreter des PARITÄTISCHEN Schleswig-Holstein, stellt die Situation zur Altersarmut in Lübeck dar.

2008 erhielten ca. 5,4% Lübecker Einwohner über 65 Jahre Grundsicherung. Die Steigerungsrate gegenüber dem Jahr 2006 betrug 22,8%. Der Frauenanteil liegt bei 64%.

Wenn die Rente nicht reicht

Am 30. September 2009 waren bei der Mini-Job-Zentrale 2.741 Männer und Frauen mit einem Alter ab 63 gemeldet. Dies ist eine Steigerung gegenüber dem Jahr 2007 um 30,6 %. Zwischen 2003 und 2007 war diese Zahl bereits um 37,5% gestiegen.

Am Stichtag 1.7.2008 betrug die Durchschnittsrente in Deutschland 851,54€, in Schleswig-Holstein 812,49 €. Die Armutsgrenze lag 2009 bei 867,34 €.

Den Audiomitschnitt finden Sie auf der rechten Seite.

Die Daten können Sie hier downloaden:

          
Diskussion zur Altersarmut in Deutschland

Die TeilnehmerInnen der 4. Lübecker Armutskonferenz setzten sich in einer regen Diskussion mit Dr. Ulrich Hoffmeister von der IHK Lübeck und Prof. Dr. Gerhard Bäcker von der Universität Duisburg-Essen über das Thema Altersarmut auseinander.

Dabei ging es um Bildung, Perspektiven, dass Altersarmut zu einem großen Teil Frauen betrifft, die Gleichstellung auf dem Arbeitsmarkt, Ungleichbehandlung bei der Grundsicherung, Verlängerung der Lebensarbeitszeit und Abschläge bei vorzeitiger Verrentung, Sicherung der Würde des Menschen durch den Sozialstaat, geringfügige Beschäftigung, Armut trotz Arbeit, Lohnsubventionen, soziales Klima, Stigmatisierung, Armut als grundstruktureller Bestandteil der Gesellschaft, Stimmungsmache in den Medien: die Armen gegen die Ärmsten, einen aktiven Sozialstaat vs. Steuersenkungen, Verschuldung und Überforderung der Kommunen, Konkurrenz auf dem globalen Arbeitsmarkt, Entwicklung von Reichtum und Armut in Deutschland, solidarische Alters- und Krankenversicherung und den Einflußfaktor "demographischer Wandel".

Diskussion

Hören Sie den Audiomitschnitt der Diskussion. Sie finden ihn in der rechten Spalte.

 

 

Forderungen der 4. Lübecker Armutskonferenz

In einem abschließenden Beitrag von Detlev Wulff, Kreisvertreter des PARITÄTISCHEN Schleswig-Holstein und in der folgenden Diskussion mit den TeilnehmerInnen der 4. Lübecker Armutskonferenz, wurden Wünsche und Forderungen herausgestellt, um der Altersarmut zu begegnen:

  1. Mehr altersgerechter, barrierefreier, stadtnaher und bezahlbarer Wohnraum
  2. Mobilität für Senioren mit geringem Einkommen fördern (Sozialticket für ÖPNV)
  3. Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung fördern
  4. Mindestlohnregelung erweitern

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Altersarmut in Deutschland

Ein Problem der Gegenwart und der Zukunft

Prof. Dr. Gerhard Bäcker zu Armut und Altersarmut in einem reichen Land, Methoden der Berechnung der Einkommensarmut, Armutsquoten,Grundsicherung im Alter, Zukunftsaussichten, Umbrüche auf dem Arbeitsmarkt, Entwicklung des Rentenniveaus, unzureichende Leistungsstruktur, private Altersvorsorge, Ausblick und Perspektiven, Gestaltung des Arbeitsmarktes

Portraits Altersarmut

Frau S. aus Lübeck

Kerstin Weber-Spethmann, Leiterin der Seniorenakademie Lübeck, stellt das Portrait von Frau S. aus Lübeck vor. Sie ist von Altersarmut betroffen und berichtet aus ihrem Leben.



Portraits Altersarmut

Herr M. aus Lübeck

Karl-Theodor Junge, Vorsitzender des Lübecker Seniorenbeirats, stellt das Portrait von Herrn M. aus Lübeck vor. Er ist von Altersarmut betroffen und berichtet aus seinem Leben.

Altersarmut in Lübeck

Zahlen - Daten - Fakten

Detlev Wulff, Kreisvertreter des PARITÄTISCHEN Schleswig-Holstein, stellt die Situation zur Altersarmut in Lübeck dar.

Diskussion zur Altersarmut in Deutschland

Stichworte: Bildung führt zu Arbeit, Perspektiven, Altersarmut ist Frauenarmut, Gleichstellung auf dem Arbeitsmarkt, Ungleichbehandlung bei der Grundsicherung, Verlängerung der Lebensarbeitszeit und Abschläge bei vorzeitiger Verrentung, Sozialstaat heißt Sicherung der Würde des Menschen, geringfügige Beschäftigung, arm trotz Arbeit,Lohnsubventionen, soziales Klima, Stigmatisierung, Armut als grundstruktureller Bestandteil der Gesellschaft, Stimmungsmache in den Medien: die Armen gegen die Ärmsten, aktiver Sozialstaat vs. Steuersenkungen, Verschuldung und Überforderung der Kommunen, Konkurrenz auf dem globalen Arbeitsmarkt, Entwicklung von Reichtum und Armut in Deutschland, solidarische Alters- und Krankenversicherung, Einflußfaktor demographischer Wandel